Flüge nach Griechenland: Planung ist alles

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Ferien in Bayern. Meine Familie ist nach Kreta geflogen. Ich komme nicht im Airliner mit sondern will selbst nach Kreta fliegen. Von meinem ersten Flug nach Kreta 2003 und natürlich von den Geschichten anderer Piloten weiß ich, dass ein Griechenlandflug eine “andere Nummer” ist als ein schneller Trip nach Frankreich. Der Grund: Nach Hellas muss man, EU hin oder her, nach wie vor über einen “Airport of Entry” einreisen, also Korfu, Thessaloniki, Athen oder Heraklion auf Kreta – wenn die Maschine die notwendige Reichweite von fast 2000 Kilometern hat. Mit der SR22 würde ich dann selbst im Economy-Betrieb auf den letzten Litern über das Meer flliegen. Athen kommt schon aus Kostengründen nicht in Frage für einen kurzen Stop, ich entscheide mich wieder für Korfu.

27_LGIR

Rollhalt Rwy 27 in Heraklion, um sechs Uhr morgens, kurz nach Sonnenaufgang

Die Checkliste für den Griechenland-Flug:

  • Handling-Firma auswählen, in der Regel GOLDAIR oder SWISSPORT, es gibt aber auch noch andere.
  • Die AOPA Crew Card dabei haben. Wenn man noch nicht AOPA-Mitglied ist, sollte man es spätestens jetzt werden. Die Einsparung bei den Landegebühren bezahlt die Mitgliedschaft für einige Zeit.
  • Öffungszeiten der Flugplätze checken. Viele kleine Inselflugplätze haben bizarre und ständig wechselnde Öffungszeiten. Benutzen Sie dazu nicht die häufig nicht aktualisierten Websites der griechischen Luftfahrtbehörde, sondern checken Sie die Öffnungszeiten per NOTAM, über eine App, oder etwa hier: https://www.notams.faa.gov/
  • Genehmigungen für Landung und Parken über Handling-Firma einholen.
  • Klären, ob AVGAS verfügbar ist. Natürlich haben alle großen Airports Jet-A1, bei Avgas ist das nicht immer sicher. Die kleinen Flugplätze auf den Iseln haben praktisch nie Avgas.

Eine Übersicht über alle griechischen Flugplätze und Airports findet man gut aufbereitet auf der Website der griechischen CAA:
http://www.ypa.gr/en/our-airports. Hier findet man Telefonnummern sämtlicher Institutionen auf den Airports, von Handling-Agenten bis zu Mietwagenfirmen und Aeroclubs. Viele Fragen zum Fliegen in Griechenland beantwortet auch die Website der griechischen AOPA (Link):

AOPA GR
Hier die Telefonnummern der beiden wichtigsten Handling Firmen für Korfu, der Flughafen den die meisten deutschen Piloten für die Einreise wählen. Es gibt auch noch andere Handler, diese finden Sie jeweils auf der Airport-Seite der Luftfahrtbehörde.

Swissport (+302661028728), cfu.operations@swissport.gr
Goldair (+302661033343), cfu.ops@goldair-handling.gr

Fallstricke

Ein erfahrener griechischer Pilot hat die Situation der General Aviation für mich so zusammengefasst: An jedem Ort gelten andere Regeln, und nie gelten sie an zwei Tagen hintereinander. Das ist natürlich etwas übertrieben, aber klar ist: Wer selbst nach Griechenland fliegt, sollte flexibel in seiner Planung sein und sich einen gewissen Langmut angesichts der bürokratischen Hürden zulegen, die aber mit etwas Know-how und Planung leicht überwindbar sind. Warum einen auf dem “Airport of Entry” niemand nach dem Ausweis fragt, nach dem Inlandsflug von Milos nach Heraklion die Ausweise aber penibel genau kontrolliert werden bleibt ein Rätsel, aber was soll’s!

Besonderheiten des Fliegens in Griechenland:

  • Das PPR für Landung und Parken wird manchmal nicht sofort bestätigt, sondern man wird aufgefordert, sich “noch einmal zu melden” wenn der Termin näher rückt. Passiert selten, war aber bei mir in Milos (LGML) so.
  • Wegen hohen Verkehrsaufkommens und der Betankung von Jets wartet man auf größeren Flughäfen manchmal länger auf Avgas. Fliegt man weiter zu einem Insel-Airport mit sehr restriktiven Öffnungszeiten (an manchen Orten nur eine oder zwei Stunden täglich!) sollte man den Tankstopp großzügig planen.
  • Gelegentlich behaupten griechische Handler, eine deutsche AOPA Crew Card sei “nicht gültig”, man brauche eine “internationale AOPA-Mitgliedschaft, um in den Genuss eines Rabatts zu kommen. Laut AOPA-Griechenland ist diese Aussage falsch, auch de deutsche AOPA Crew Card muss akzeptiert werden.
  • Der Mann oder die Frau auf dem rechten Sitz wird oft nicht als Crew-Mitglied akzeptiert sondern nur als “Passenger” und muss die € 12 (2015) Passagiergebühr bezahlen. Hilfreich kann es sein wenn der Co seine gültige Lizenz dabei hat.
  • Auf den Inselflugplätzen gibt es, trotz oft starken Windes, oft keine Anker für die Verzurrung oder Gewichte. Gut: Lange Nylonseile dabei haben und den Flieger an Bäumen oder Felsbrocken anbinden.
  • Jeder Flug braucht einen Flugplan und bei jedem Abflug muss man eine “General Declaration of Health” unterschreiben. Augen zu und unterschreiben.
  • Rocketroute, autorouter, Skydemon etc. sind für die Tower-Crews kleiner Plätze Fremdwörter. Bei Abflug wollen sie manchmal den Flugplan auf Papier sehen. Ich habe diesen nie dabei und zeige die Bestätigung auf dem iPad – es gibt aber manchmal Diskussionen. Ständige Änderungen bereits validierter IFR-Pläne sind normal.
  • Griechische Fluglotsen mögen keine Sinkflüge. Es ist mir mehrfach passiert, dass ich – IFR – in 7000 oder 9000 Fuß fast über dem Zielflugplatz war und immer noch keine Genehmigung zum Sinken bekam. Am besten ist es dann, rechtzeitig IFR zu canceln und VFR zu landen. Ansonsten sind sehr steile Anflüge vorprogrammiert, in IMC nicht unbedingt angenehm.
  • ILS- oder RNAV GPS-Approaches sind an griechischen Regionalflughäfen Fremdwörter. In Korfu und Heraklion gibt es VOR Approaches, auf die man aber meist per Vektor gelotst wird.

Die angenehmen Seiten

Es ist aber nicht alles schlecht in der griechischen AL. Die Leute sind in der der Regel sehr freundlich und hilfsbereit, auch wenn ihr Verständnis von Effizienz nicht immer dem unseren entspricht. Praktisch jeder Flughafenangestellte spricht gut Englisch und vor allem die Lotsen sind am Funk meist sehr gut zu verstehen. Im Anflug auf größere Flughäfen ist ATC höchst professionell und bringt IFR-Flüge in der Regel per Vektor auf den Anflug. Auch VFR wird man professionell geleitet.

 Wind!

Wer in der Ägais fliegt, auch im Sommer, sollte keine Angst vor Seitenwind bei der Landung haben. Starker Wind ist hier normal, und es gibt viele Tage an denen es richtig “pfeift”. Bei unserer Landung auf der Bahn 08 von Milos (LGML) hatten wir 25 Knoten aus 350 Grad. Da Griechenland fast komplett bergig ist, treten bei vielen Anflügen bei Wind auch Turbulenzen auf.

 

 

 

 

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About Author

1995-2002 Editor at fliegermagazin, 2004-2008 Editor in Chief of Airbus Magazine "Planet Aerospace". Since 2002 Book Author and free lance aviation journalist and photographer. Private Pilot with IFR rating. Other ratings: CRI, Aerobatic, MEP (expired).

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