MTV-14 – Der Vierblattprop für die Cirrus SR22

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Die Cirrus SR22 fliegt seit Beginn ihrer Karriere mit Dreiblatt-Constant-Speed-Props von McCauley und Hartzell aus Aluminium. Auch ein Dreiblatt-Composite-Prop des bayerischen Herstellers Mühlbauer ist im POH aufgeführt und zugelassen, der bewährte MTV-9.

Relativ neu ist der Vierblatt-Prop von MT für die SR22. Der MTV-14 soll für noch mehr Laufruhe und bessere Kühlung sorgen, und er hat obendrein den Vorteil, dass das Flugzeug durch die etwas kürzeren Blätter ein wenig mehr Bodenfreiheit genießt. Vor allem bei den vom Fahrwerk etwas niedrigeren G1- und G2-Modellen und dem Betrieb von Grasplätzen kann dies ein Vorteil sein.

Seit 2014 gibt es den MTV-14 auch in einer überarbeiteten neuen Version mit breiten Nickel-Vorderkanten.

Das STC-Kit für die SR22 und SR22T umfasst folgende Komponenten:

  • Hydraulisch betätigter 4-Blatt-Constant Speed-Propeller
  • Aluminium- oder Composite-Spinner
  • Eine Ergänzung für das POH und das Installations- und Wartungsmanual

Auf Wunsch hat der Propeller das TKS-System sowie die Gummimanschetten für die Enteisung per Alkohol und breite Nickel-Vorderkanten über die gesamte Länge.

Laut MT soll der Vierblattprop an der SR22 folgende Vorteile haben:

  • Turbinenähnlicher vibrationsarmer Lauf
  • Austauschbare Nickelvorderkanten
  • Verbesserte Triebwerkskühlung
  • Verbesserte Steigleistung
  • Kürzere Startstrecke
  • Verbesserte Reiseleistung
  • Unbegrenzte Blatt-Lebensdauer und niedrige Überholungskosten

Erfahrungen anderer SR22-Piloten, die den MTV-14 bereits fliegen haben eine hohe Bremswirkung des Vierblattprops ergeben. Im Falle eines Motorausfalls dürfte der MTV-14 die Gleitflugleistung etwas verschlechtern – was bei der Cirrus aber wegen des in solchen Notfällen meist verwendeten CAPS-Rettungssystems eine geringere Rolle spielt. Im Gegenzug könnte die Bremswirkung das Fehlen von Speed Brakes etwas kompensieren und die Landerollstrecke verkürzen.

Im Februar 2015 wird meine SR22-G2 “G-YORC” von MT für zwei Monate mit einem Test-MTV-14 ausgerüstet. Anschließend folgt ein Erfahrungsbericht und Bilder von der Installation.

Update: Besuch bei MT-Prop am 26.2.15. Der Propeller ist fertig! Jetzt müssen wir noch einen Einbautermin finden.

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Der fertige Prop in der Werkstatt von MT. Nächste Woche soll er eingebaut werden.

Am 5. März 2015 wird der MTV-14D schließlich an der G-YORC montiert. An einem Morgen, an dem das Wetter nur sehr knapp “VMC” ist, fliege ich die kurze Strecke nach Straubing, wo man mich bereits erwartet. Schnell ist der alte Prop abgebaut und schon eine Stunde später ist der MTV-14D installiert.

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Die sechs Muttern der Verschraubung des Props werden gelöst. Verwendet werden hier Muttern mit Stoppeinsatz, zusätzlich wird Markierungslack angebracht

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Vorbereitungen zum Anbau des Vierblattprops. MT nimmt alte Props oft auch in in Zahlung – und hat so bereits ein beachtliches Ersatzteillager für Propeller vieler Flugzeugtypen aufgebaut.

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“Hochzeit”: Anders als den Dreiblatt-Prop, der oft nach Wartungsmaßnahmen um 180-Grad verdreht angebaut wird (und dann “one blade down” stehen bleibt!) kann man den MTV-14 nicht falsch herum montieren. Bevor man den Prop installiert wird der Flansch gründlich mit Bremsenreiniger gereinigt, damit die Auflageflächen auch perfekt plan sind. Der O-Ring des Flansches wird mit etwas Motoröl eingerieben.

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Im Gegensatz zum Hartzell-Spinner wird der Spinner des MTV-14 von zwei Bulkheads fixiert. Gut zu sehen sind hier die Röhrchen der optionalen TKS-Enteisung. Das werden wir noch ändern: Die weiße hintere Spinnerplatte passt nicht perfekt zum polierten Spinner, da der weiße Lack hinter den Ausschnitten der Propellerblätter zum Vorschein kommt.

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Mit 115 Nm Drehmoment werden die sechs Muttern über Kreuz angezogen und noch einmal kontrolliert.

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Vorbereitung zum dynamischen Wuchten des Props. Es stellt sich heraus, dass der Prop auch ohne zusätzliche Gewichte rund läuft.

Die ersten Flüge

Mit Martin Albrecht – Geschäftsführer von MT und vierfacher deutscher Kunstflugmeister – machte ich nach der Montage einen ersten Probeflug. Was sofort auffällt ist der völlig andere Sound des Vierblattprops: bei Leerlaufdrehzahl “zwitschert” der Propeller und subjektiv habe ich das Gefühl, dass der Lärmpegel im Cockpit etwas geringer ist, wenn auch nicht signifikant.

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Video: Bei Leerlaufdrehzahl hört man das typische “Zwitschern” des MT-4-Blatt-Props

Der erste auffälige Unterschied kommt wenn man beim Start Vollgas gibt: Die vier leichten Blätter gehen wesentlich schneller auf kleinste Steigung, die Anfangsbeschleunigung aus dem Stand fühlt sich (ebenso subjektiv und noch nicht gemessen!) besser an. Bei der Steigleistung hingegen bin ich mir sicher,   dass die G-YORC (gegenüber dem Flug nach Straubing zwei Stunden zuvor) bei 95 bis 100 KIAS im Anfangssteigflug 200 Fuß besser steigt. Der erste kurze “Reiseflug” hingegen zeigt keine spürbare Verbesserung. Diese habe ich aber auch nicht erwartet. Nur bei der Turbo-Version dürfte es hier in großer Höhe eine deutliche Verbesserung geben. Piloten von Turbo-SR22 berichten von 10-15 KTAS mehr Speed gegenüber den Serienprops.

Beim Anflug dann der “Aha-Effekt”: Zieht man im Final den Leistungshebel zurück und kommt in die Nähe der Leerlauf-Drehzahl glaubt man plötzlich die Sturzflugbremsen ausgefahren zu haben, so stark bremst der Prop die Maschine ab. Während er gleichzeitig ein Geräusch von sich gibt wie wenn man den Umkehrschub betätigt hätte. Etwa so wie wenn man bei einer Piper Meridian oder TBM700 nach der Landung in den Reverse-Modus geht. Bei meinen ersten beiden Landungen mit dem MTV-14D komme ich deshalb zu kurz und muss Gas geben, um die Bahn überhaupt zu erreichen.

Update, 18.3.2015. Zehn Flugstunden später.

Inzwischen konnte ich ein wenig Erfahrungen mit dem neuen Prop sammeln, und die ersten Eindrücke haben sich bestätigt. Der Prop läuft schön rund und vibrationsarm, und die Beschleunigung beim Start und die Steigleistung haben sich deutlich verbessert. Ob die Kühlung besser ist werde ich im Sommer vielleicht spüren, bei den derzeitigen Temperaturen kann man diesen Effekt nicht nachweisen.

Wie vermutet hat sich bestätigt, dass die Reiseleistung sich nicht verbessert hat. Nachdem ich bei den letzten Flügen die Flugleistungen dokumentiert habe, würde ich sagen, dass sich die Reisegeschwindigkeit nicht verschlechtert hat, aber vielleicht ist die G-YORC jetzt auch einen, maximal zwei Knoten langsamer.

Update, 31.7. 2019. Nach etwa 400 Flugstunden

Seit viereinhalb Jahren fliegt die D-EACY (vorher G-YORC) nun mit dem MTV-14D-Vierblattprop. In den ca. 400 Stunden gab es keinerlei Probleme mit dem Prop, und auch seine Langlebigkeit hat er schon einigermaßen unter Beweis gestellt: keine Abblätterungen des Lackes oder sonstige Verschleißerscheinungen sind sind sichtbar, lediglich ein kleiner aber irrelevanter Kratzer an einem Propellerblatt, der aber wohl eher im Hangar als im Flug entstand. Die Nickel-Schutzkanten sind durch ein paar Steinschläge auf Graspisten etwas rauer geworden, aber das ist nicht der Rede wert. Fazit: Immer noch bin sehr zufrieden mit dem Propeller! 2018 habe ich den Spinner gegen einen mattschwarzen GFK-Spinner von MT getauscht, der das Flugzeug etwas moderner aussehen lässt. Kostenpunkt: € 600.

 

Das Datenblatt von MTV-14 von der Firma Mühlbauer: CirrusSR22_MTV-14-D-195-30b

Kontakt:

MT-Propeller Entwicklung GmbH
Flugplatzstr. 1
94348 Atting
Deutschland
Telefon: +49-9429-9409-0
sales@mt-propeller.com

 

 

 

 

 

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About Author

1995-2002 Editor at fliegermagazin, 2004-2008 Editor in Chief of Airbus Magazine "Planet Aerospace". Since 2002 Book Author and free lance aviation journalist and photographer. Private Pilot with IFR rating. Other ratings: CRI, Aerobatic, MEP (expired).

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